Folge 14: Transformation im Drehmoment

Shownotes

Mit 27 Jahren übernimmt Frau Finger die Leitung der Maschinenfabrik Mönninghoff – und setzt seitdem neue Maßstäbe. In eindrucksvoller Klarheit spricht sie über Führung, Verantwortung und den Mut, nachhaltiges Wirtschaften radikal ins Zentrum zu stellen. Wie gelingt es einem Traditionsunternehmen, fast energieautark mit Solar und Geothermie zu produzieren – und gleichzeitig mit der M1-Kupplung eine energiewirksame Weltsensation zu erzeugen? Wir waren vor Ort, haben über Innovation und den Wandel im Unternehmen gesprochen und uns in der Werkshalle selbst auf die Suche nach der legendären M1 begeben.

Transkript anzeigen

00:00:00: Also Gregor, ich glaube, dass wir heute eine besondere Folge

00:00:02: haben.

00:00:03: Ja, ich glaube auch.

00:00:04: Und ich hoffe, sie wird nicht so stürmisch, wie es hier gerade hier draußen ist.

00:00:07: Eine besondere Folge aus meiner Sicht, weil ich glaube, alle Firmen, die wir bis jetzt besucht haben, zusammengenommen, sind nicht so alt wie die, die wir heute besuchen.

00:00:16: Hundert, neun Jahre haben die Offenbuckel.

00:00:19: Und trotzdem gehen wir dahin, warum eigentlich?

00:00:21: Ja, das eine ist, wir haben Mönninghoff schon mal kennengelernt.

00:00:24: Da haben wir hier ein Business-Beat-Dating gemacht.

00:00:26: Das war total spannend, das war total schön.

00:00:28: Haben gute Kontakte geknüpft.

00:00:30: Aber das Ding ist, dass dieses, ich sag mal, auch jetzt altherwürdige Unternehmen ganz schön transformiert hat.

00:00:37: Und das sollten wir uns mal angucken.

00:00:40: Vor allem dieses wunderbare, moderne Gebäude.

00:00:42: Das hat das in sich.

00:00:43: Da gehen wir rein und lernen es kennen.

00:00:45: Auf jeden Fall, los geht's.

00:00:47: Willkommen bei Fünf vor Grün, dem Podcast aus der Region Westfalen mit spannenden Insights von Menschen mit richtig guten, nachhaltigen Ideen.

00:00:55: Und los geht's!

00:00:57: Hallo und willkommen zu einer ganz besonderen Ausgabe von Füll vor Grün, dem Nachhaltigkeits-Podcast von Indiregion Westfalen.

00:01:06: Mein Name ist Kai Bandermann, ich bin Journalist hier im Ruhrgebiet und ich bin natürlich auch heute nicht der einzige Host hier.

00:01:12: Genau, ich bin heute auch wieder dabei, Gregor Meller.

00:01:14: Kai, ich freue mich, dass wir heute hier sind.

00:01:16: Ich glaube, wer werden hier in dieser Firma oder in dieser Umgebung hier gerade?

00:01:21: Ich glaube, da werden wir einiges erfahren.

00:01:23: Wir sind, und deswegen ist das für mich eine besondere Folge, glaube ich, zum ersten Mal in einem Unternehmen, das Eltern unter Podcast natürlich ist, das Eltern als in die Region Westfalen ist, das in seiner ganzen DNA Ruhrgebietsgeschichte erlebt, vielleicht erlitten hat, mit dem Bergbau groß wurde.

00:01:44: und den Bergbau aber auch hinter sich gelassen hat, überwunden hat, also da schon einmal Strukturwandel gemacht hat, die Maschinenfabrik Mönninghoff.

00:01:55: Und wir sind aber nicht allein deswegen da, sondern wir sind bei Scharlotte Finger, der Chefzwirrenden Gesellschafterin zu Gast.

00:02:02: Hallo, Scharlotte.

00:02:03: Hallo, herzlich willkommen.

00:02:05: Weil wir von euch hören wollen, dass ihr nicht nur euch mit euren Produkten transformiert habt in den vergangenen Jahrzehnten, sondern dass ihr ganz ... besonders eben auch bei dem Thema, das uns betrifft, Nachhaltigkeit, etwas geleistet, das ganz besonders mit deiner Person zusammenhängt.

00:02:21: Und ich habe gelesen, du wurdest mal gefragt in dem Interview, Mensch, wenn man ein Studium abgeschlossen hat und auch noch wissenschaftlich was gemacht hat.

00:02:30: Und dann die Möglichkeiten, wer hat wie du, dass man in eine Firma, in eine Familienfirma reingeboren wird.

00:02:37: Warum nutzt man nicht die Chance und macht ein cooles Startup?

00:02:40: Du hast dich dagegen entschieden.

00:02:41: Erzähl mal ein bisschen vielleicht zu deinem Werdegang, aber auch, wie du zu der Entscheidung ganz persönlich für dich gekommen bist.

00:02:48: Man kann wahrscheinlich ganz gut mit jugendlicher Naivität zusammenfassen.

00:02:52: Nein, ich habe sicherlich lange überlegt, was der richtige Weg für mich ist.

00:03:00: Ich hatte immer diese Option, das war natürlich klar.

00:03:04: Bei einem Familienunternehmen schwebt vielleicht auch immer ein kleines bisschen schon die Erwartung mit, dass da einer kommt, der das irgendwann weitermacht.

00:03:12: Aber ich hab mich jetzt nie so gedrängt gefühlt, als dass das klar gewesen wäre.

00:03:16: Und natürlich war irgendwie direkt nach dem Studium so das Thema Berlin und online und vielleicht irgendwie auch was ganz anderes und irgendwo international und irgendwie ein großer Konzern oder so, haben ja alles Möglichkeiten, die da gewesen wären.

00:03:32: Und ich habe lange überlegt, wie ich das mache.

00:03:34: Und ich glaube, viele Jahre Überlegungen waren dann am Ende gar nicht so viel wert, denn es war dann in dem Moment, wo es passiert ist, wo klar war, ich komme in die Firma, eine sehr spontane, kurzfristige Bauchentscheidung.

00:03:46: Und diese ganzen Überlegungen haben da gar nicht so reingespielt.

00:03:49: Studium war aber nicht machinebauer, ne?

00:03:52: Nee, das wäre wahrscheinlich kein guter Ingenieur geworden.

00:03:56: Ich komme von der kaufmännischen Seite.

00:03:58: Und was war dann vielleicht dieser Wendepunkt oder diese Situation, wo man dann gemerkt hat, okay, jetzt werde ich jetzt hier gebraucht?

00:04:05: Ich würde sagen, es war tatsächlich, dass ich gebraucht wurde, dass das der Punkt war.

00:04:11: Mein Vater rief irgendwann an und sagte, du, Wir haben mehrere negative Geschäftsjahre im Rücken.

00:04:17: Wir müssen ein paar Dinge anders machen.

00:04:19: Und wenn du davon teil sein willst, wär jetzt ein guter Zeitpunkt, sodass es wirklich ein bisschen von heute auf morgen kam.

00:04:26: Viel früher, als ich gedacht hätte, ich dachte mal, ich hab noch viele Jahre Zeit, bis sich so eine Entscheidung mal fällen muss, kann irgendwo anders noch Erfahrungen sammeln.

00:04:33: Es kam dann alles anders, aber so ist es ja meistens im Leben.

00:04:36: Das Wichtige ist dann, in den Momenten zuzugreifen und beherzt loszulegen und nicht ... noch lange drüber nachzudenken, ob und was wenn und vielleicht doch nicht oder eben später.

00:04:46: ja, nein, vielleicht, sondern zu sagen, jo, das machen

00:04:50: wir jetzt.

00:04:51: Und das war dann vor zehn Jahren der Punkt.

00:04:54: Hast du dich denn bis dahin gut vorbereitet gefühlt, das zu übernehmen?

00:04:59: Du hast ja schon gesagt, ne?

00:05:00: Studium, wissenschaftliche Mitarbeit an der RWTH in Aachen.

00:05:06: Aber dann richtig hart hier in die Firma rein.

00:05:09: Das war ja ein Übergabe-Übernahme-Prozess mit deinem Vater, den du gestartet hast vor rund über zehn Jahren.

00:05:16: Zu dem Zeitpunkt war ich siebenzwanzig, demnach bin ich indirekt siebenundzwanzig Jahre zu Hause darauf vorbereitet worden.

00:05:22: Das war mir im Vorfeld nicht ganz so klar.

00:05:24: Ich habe es dann, als ich im Job war, gemerkt, dass das wahrscheinlich der wichtigste Teil dafür war.

00:05:28: Ich wusste, dass das bedeutet, welche Verantwortung damit einhergeht, dass das eben auch nicht ein Job ist mit dreißig Tagen Urlaub und siebzehn Uhr nach Hause fahren.

00:05:38: Das war wahrscheinlich das Wichtigste daran und hat mir im Zweifelsfall mehr geholfen als die VWL-III-Vorlesung im fünften Semester.

00:05:47: Aber ich würde schon sagen, dass das Studium, was nun mal auch wirklich das Thema Unternehmensführung wirklich beinhaltet hat und sehr international war, schon irgendwie seinen Teil dazu beigetragen hat, dass ich es mir zugetraut habe.

00:06:00: Was ich dann davon am Ende genutzt habe, ist eine Sache, aber dadurch war so ein bisschen das Selbstvertrauen da zu sagen, Das kriege ich schon irgendwie hin.

00:06:07: Und ich glaub, das ist dann auch ein wichtiges Signal an die Mitarbeiter gewesen.

00:06:12: Dann kommt da jemand, der irgendwie sagt, wir schaffen das und wir haben einen Plan und los geht's oder jemand, der eher sagt, ich bin mehr so der Praktikant und schnuppe mal rein und guck mal und entscheid dann in drei, vier Jahren, ob ich bleibe.

00:06:24: Also ich glaub, diese Zuversicht war schon ein wichtiges Signal.

00:06:28: Deswegen wird das Studium seinen wichtigen Teil dazu beigetragen haben.

00:06:32: Aber Fleiß ... Erst mal, um unsere Zuhörer auch abzuholen, was macht denn Möllinghoff eigentlich?

00:06:39: Also, kannst du das kurz zusammenfassen?

00:06:42: Geht das?

00:06:43: Geht schon.

00:06:44: Wir sind in der sehr speziellen Nische der Antriebstechnik.

00:06:48: Wir haben ja eben gehört, wir kommen ursprünglich aus dem Bergbau.

00:06:51: Das ist wirklich schon lange her, dass wir damit angefangen haben.

00:06:54: In den letzten zehn Jahren war das natürlich auch das Thema, was hier im Ruhrgebiet alle umgetrieben hat.

00:06:59: Als das dann so in den Sechzigern, Siebzigern anfing, schwierig zu werden, haben wir uns wahrscheinlich das erste Mal richtig neu erfunden und überlegt, okay, was kann man alternativ machen?

00:07:08: Und sind dann pö-a-pö über die letzten Jahrzehnte immer mehr in so eine sehr kleine Nische reingekommen.

00:07:13: Wir entwickeln und fertigen hier heute Kupplung und Bremsen.

00:07:20: Für alles außer fürs Auto, wo man vielleicht so als allererstes dran denken würde.

00:07:24: Also wirklich für alle Branchen.

00:07:26: Da sind, wenn wir jetzt hier in Bochum uns umgucken, ist das erst, was mir einfällt, bei der Viehgebrauerei.

00:07:31: Die Apfelanlage, da sind Kupplungen von uns drin.

00:07:34: Aber jeder, der mal in einem Ski-Lift gesessen hat, ist uns begegnet.

00:07:38: Medizintechnik, Robotik, Luft- und Raumfahrt.

00:07:42: Wehrtechnik, aber auch was natürlich ein Thema ist, was jetzt gerade deutlich präsenter wieder wird.

00:07:48: Der klassische Anlagenbau mit Druckmarsch.

00:07:50: Maschinen und Verpackungsmaschinen.

00:07:51: Also überall da, wo sich was bewegt, wo irgendwas angetrieben wird, braucht man eigentlich auch Kupplung und Bremsen.

00:07:58: Und wir, jetzt ist Deutschland noch das Land der Antriebstechnik, da gibt es einige Firmen, die sich mit diesem Produkt beschäftigen.

00:08:05: Wir sagen immer für uns, wir fangen da an, wo die anderen aufhören.

00:08:09: Wir haben kein Produktkatalog, wir haben keine Serienprodukte auf Lager liegen, sondern wir ... unsere Produkte sind immer reinkundenspezifisch angepasst.

00:08:18: Also, es kommt jemand erst mal mit einem Problem, wir entwickeln was, später wird's gefertigt und verkauft.

00:08:25: Das heißt, wir reden bei uns immer über kleine Stückzahlen und Sonderanfertigungen, und das macht sehr abwechslungsreich und cool eigentlich so im täglichen.

00:08:33: Aber eben ... Kleine Nische, ich sag immer kleine Nische, aber unsere Nische.

00:08:38: Hat aber Birgt aber die Gefahr?

00:08:40: dass wenn die Abnehmer dieses Nischenproduktes gerade mal entweder straucheln oder glauben, sie müssten sich an jemanden, einen Mitbewerber aus Taiwan oder China oder sonst wohin wenden, dass ihr schnell aus dem Geschäft sein könnt.

00:08:57: Wo stecken die Gefahren, wenn man so ein Nischenanbieter ist?

00:09:00: Und

00:09:00: das ist eigentlich nicht so das Problem, weil ja die Lösung maßgeschneidert ist.

00:09:04: Also, bis sich da jemanden neun für habe, dauert's immer ein kleines bisschen.

00:09:08: Das können wir uns an vorstellen.

00:09:10: wie mit so einem Maßanzug.

00:09:12: Wenn ich irgendwie die Masse habe, die irgendwie allen passen, dann kann ich auch nachmittags kurz irgendwie ins Kaufhaus gehen und mir ein neues Sacko kaufen.

00:09:19: Aber wenn ich irgendwie irgendwas Spezielles brauche, bis ich einen neuen Schneider gefunden habe und der dann irgendwie Stoffe bestellt hat und erstes auf Maß, zweites auf Maß gemacht hat, das dauert dann schon ein bisschen länger.

00:09:30: Deswegen ist es eigentlich auch für uns in dieser wirtschaftlich schwierigen Lage, in der wir gerade sind, nicht ganz so schwierig wie sicherlich für viele aus unserer Branche drum herum.

00:09:40: Weil eben das, was wir machen sehr speziell ist und die Kunden, die das brauchen, die brauchen dann eben auch uns dafür erstmal.

00:09:47: Und diese Sonderlösungen eben besonders für schwierige Anforderungen mit engem Bauraum oder mit wahnsinnig langen Haltbarkeit oder Wartungsfreiheit oder in chemischen Umgebungen oder mit extremen Kräften und Belastungen.

00:10:06: Das sind dann eben so Dinge, wo wir eigentlich nicht so leicht substituierbar sind.

00:10:11: Deswegen vielleicht sogar ein bisschen krisensicherer als das ein oder andere Geschäft, wo man eben so über Nacht durch jemanden, der es einfach ein bisschen günstiger macht, abgelöst werden kann.

00:10:21: Und ich habe gelesen, ihr habt ein Produkt, das ist in der Lage auch den Energieverbrauch des Antriebs, in dem es dann drinstecken wird.

00:10:32: sensationell, um über weit über neunzig Prozent zu senken.

00:10:36: Absolut.

00:10:37: Das

00:10:37: ist ja ein absoluter Game-Changer, den würde ich ja zu gern mal sehen.

00:10:42: Das meinst du, wenn wir vielleicht mal in eine Reproduktion gehen, ob wir ihm dieser M-Ins-Kupplung, der kann

00:10:48: gar nicht ... Ob wir so einer begegnen?

00:10:49: Ob wir so einer vielleicht zufällig begegnen?

00:10:51: Können wir auf jeden Fall machen, dadurch, dass wir jeden Tag was anderes machen, kann ich noch nicht versprechen, dass wir eine finden, aber wir können uns auf jeden Fall mal auf die Suche machen.

00:10:59: Super,

00:11:00: dann mal los.

00:11:06: So der sagenumwobenen Mendinghof M-Einskupplung auf der Spur, aber Charlotte, ich glaube, wir haben heute keinen Glück.

00:11:14: Also man muss hier immer so ein bisschen gucken, denn am Ende finden wir in der Fertigung natürlich alle möglichen Einzelteile und zu welchem Typen an Kupplung sich das dann am Ende in der Montage zusammensetzt.

00:11:25: Das muss man geschultes Auge für haben, aber hier vorne haben wir jetzt glaube ich was gefunden, was in dieses Produkt reingehen würde.

00:11:34: Insofern haben wir Glück gehabt.

00:11:37: Das Tolle ist, man kann das unbedingt gar nicht erkennen von außen.

00:11:41: Das ist jetzt nicht so, dass die Grün angemalt ist, weil sie besonders nachhaltig wäre oder so.

00:11:46: Im Endeffekt geht es bei der M-I Kupplung darum.

00:11:48: Es ist ein sehr spezielles Wirkprinzip und die Kupplung verbraucht dramatisch viel weniger Strom.

00:11:55: als normale schaltbare Kupplung das tun.

00:11:58: Das ist in manchen Anwendungsfällen gar nicht so wichtig, weil die Kupplung vielleicht auch nicht häufig schaltet, aber es gibt Anwendungen, wo gerade viel Strom verbraucht wird, große Kupplungen nötig sind.

00:12:08: Und dann funktioniert das so, das kann man sich vorstellen wie mit einem Kugelschreiber.

00:12:12: Es wäre total ineffizient, wenn ich beim Schreiben oben immer den Clip drunter drücken müsste.

00:12:18: So ist das bei Kupplungen normalerweise, wenn die schalten, ist Strom drauf dauerhaft.

00:12:23: Und nur wenn ich sie öffne, nehme ich den Strom wieder weg, so wie beim Kugelschreiber, wenn ich dann oben los lasse und die Mine weg ist.

00:12:30: Und in diesem Fall ist es eben so, wie beim Cooly, ihr braucht einen Stromimpuls einmal zu klicken und dann bleibt die Mine draußen, ohne dass ich gedrückt halten muss, ohne dass in diesem Fall der Strom drauf bleibt, bis ich eben den Zustand wieder ändern will und dann durch einen Klick oder eben einen weiteren Stromimpuls das Ganze sich wieder löst, sodass ich eben stromlos den Zustand halten kann.

00:12:53: Ein wichtiges Sicherheitsthema, aber eben natürlich auch ein wichtiges Thema beim Stromverbrauch.

00:12:59: Und auf die Idee ist vorher einfach noch keiner gekommen.

00:13:02: Was mich jetzt natürlich total neugierig macht, ist, du sprichst es an, wie seid ihr denn da drauf gekommen?

00:13:08: Also habt ihr Entwickler, habt ihr Designer, in welchem Kontext entsteht das, dass ihr zu so einer Innovation kommt?

00:13:15: Wir entwickeln immer eigentlich am Grundeneinsatzfall und in dem Fall kam die ursprüngliche zündende Idee, als wir einen Kunden hatten mit einer mobilen Autorenwendung, also nicht eine Anlage, die in der Halle steht, wo Strom beliebig aus der Steckdose kommt, sondern eben jemand, der draußen im Gelände mit einem mobilen Fahrzeug irgendwas... bewegen musste und eben die Anforderung hatte, wie sieht es denn aus mit dem Stromverbrauch?

00:13:43: Und dann wie immer, unsere Ingenieure, die sich da intensiv dann in egal welchen Einsatzfall reinfuchsen, überlegt, wie kann man dem da irgendwie helfen und entgegenkommen?

00:13:53: So kam die Idee.

00:13:54: und dann haben wir gesagt, Mensch, das wird ja nicht nur hier relevant sein, sondern bei vielen anderen Herstellern auch ein Thema sein, egal was die Anwendung ist.

00:14:02: Und haben eben gesagt, wir machen da jetzt nicht nur einmal eine kundenspezifische Lösung für, sondern entwickeln richtig ein Produkt mit der Reihe und verschiedenen Baugrößen raus und gucken mal, wer da draußen noch Bedarf für so was hat.

00:14:15: Und tatsächlich stellt sich raus, es sind viele.

00:14:19: Das heißt also, was euch auszeichnet, ist eure extreme Anpassungsfähigkeit, gerade so auf solche Probleme oder Challenges reagieren zu können?

00:14:27: Genau.

00:14:28: Also es ist immer erst mal die Produktfindung, die Lösung des technischen Problems, bevor es dann darum geht, was fertigen zu können.

00:14:37: Und jeder Kunde bekommt bei uns wirklich was anderes, bis unterzu ein Stück, wenn er möchte.

00:14:45: Und diese, erst mal, Entwicklungsarbeit ist sicherlich das, was uns von anderen Firmen auch dieser Größe sehr unterscheidet.

00:14:54: Dafür braucht man einen Mitarbeiter.

00:14:56: Ich habe insgesamt mit hundertsechsten und dreißig Beschäftigte.

00:14:59: Das ist schon eine ordentliche Größe.

00:15:00: Da gehen natürlich ein paar Leute in der Verwaltung ab, aber ihr braucht vor allem die Leute hier.

00:15:04: Ihr seht aus mit Fachkräftemangel, mit Nachwuchs.

00:15:07: Ja, ist natürlich ein Thema, muss man sagen.

00:15:10: Es wird nicht leichter, es wird jeden Tag schwieriger, gute

00:15:13: Leute

00:15:14: zu finden.

00:15:16: Und dieser rote Faden, dieser technische Anspruch zieht sich natürlich durchs ganze Unternehmen.

00:15:22: Sowohl brauchen wir wirklich kreative, ausgefuchste Ingenieure, die am Anfang erst mal überhaupt mit der Idee um die Ecke kommen.

00:15:30: Aber natürlich genau in der Güte auch die Facharbeiter, die dann in kleinen Stückzahlen eben nicht Großserien, die voreingestellt sind, sondern jeden Tag was Neues hier in der Fertigung haben.

00:15:41: Wie gesagt, wir mussten nach der M-Einzel gerade ja auch echt suchen, weil es jeden Tag was anderes, was hier liegt.

00:15:47: Und Leute zu finden, die auch diese abwechslungsreiche Arbeit mögen und die Qualifikation dafür mitbringen, ist nicht so einfach.

00:15:55: Aber es gibt eben auch die Leute zum Glück, die das zu schätzen wissen, die das die das spannend finden und die finden ihren Weg glücklicherweise irgendwie immer zu uns.

00:16:04: Jetzt

00:16:05: müssen wir ja sagen, dass wir hier bei euch in einer Halle sind, die mega-modern ist, lichtdurchflutet, weil ihr Wandhohe Fensterscheiben habt, sehr breite Gänge, alles sehr großzügig, absolut moderne Bearbeitungsmaschinen hier, soweit das Auge reicht.

00:16:22: Ich glaube, das macht das Ganze aus, aber der zweite Teil, über den wir in der Verkehrszeit reden wollen, ist, Dass diese Halle nicht nur innen drin wurde, sondern dass diese ganze Halle schon von der Planung her ein Teil eures Transformationsprozesses ist, wenn wir über das Thema Energieeffizienz, vielleicht auch Prozessabläufe reden.

00:16:42: Und ich glaube, das machen wir dann wieder gleich im ruhigen Raum.

00:16:45: Sehr gut.

00:16:50: So, wir sind wieder zurück in unserem kleinen und feinen Studio hier.

00:16:54: Und ich muss ja sagen, jedes Mal, wenn ich durch diese Hallen laufe, ich habe das Gefühl, das schreit nach Hallo Zukunft.

00:17:01: Also das ist wirklich sauber aufgeräumt.

00:17:05: Die Luft ist klar und auch von der Geräuschkulisse her alles im Rahmen.

00:17:11: Charlotte, lass uns mal darüber sprechen, wie ist es dazu gekommen, so eine Halle aufzubauen und auch generell so zu produzieren.

00:17:18: Und was macht das auch so besonders hier?

00:17:21: Muss man wahrscheinlich ein bisschen aufteilen zwischen Pflicht und Kühe.

00:17:26: Also erst mal, wer hat ja schon gehört, das Unternehmen hat eine lange Historie.

00:17:30: Die Halle wurde gerade als neu und schick beschrieben.

00:17:33: Natürlich sind wir nicht immer schon hier gewesen.

00:17:36: fünf Jahren den alten Standort nach über hundert Jahren zurückgelassen und richtig auf der grünen Wiese neu bauen dürfen.

00:17:43: Riesengelegenheit.

00:17:44: Also im

00:17:44: wahrsten Sinne des Wortes, ich gucke jetzt im Fenster raus und hier sind es einfach Felder und Wiesen.

00:17:49: Wirklicherweise unverbaubares Landschaftsschutzgewiet, wir wissen das sehr zu schätzen.

00:17:54: Aber demnach, wir hatten das große Glück, dass wir ein Grundstück gefunden haben, wo wir eben Wirklich frei planen konnten und uns austoben konnten.

00:18:02: Riesen Privileg, dass das so geklappt hat, dass wir die finanziell guten Jahre im Rücken hatten, um das zu stemmen, dass wir dieses Grundstück von der Stadt Bochum angeboten bekommen haben, dass irgendwie alles dann auch so kam, dass das irgendwie problemlos funktioniert hat.

00:18:18: Aber erst mal war es wirklich dringend nötig, aus den alten Hallen rauszukommen in eine neue Umgebung.

00:18:24: Alleine für den Produktionsfluss war das eine furchtbare Katastrophe.

00:18:27: Wir hatten das Lager auf drei Etagen, waren ein und Ausgang im Keller.

00:18:31: Fertigung auf zwei Etagen, zwei Bürogebäude.

00:18:35: Jede Etage hatte eine eigene Abteilung, also auch wenig Kommunikation in den Büros.

00:18:40: Da war sehr, sehr viel, was dagegen gesprochen hat.

00:18:42: Uralter Bestand, das Ganze war aus Trümmerschut nach dem Krieg wieder aufgebaut worden.

00:18:46: Wir können uns vorstellen, wie die Gasrechnung aussah.

00:18:51: Das war erst mal wirklich nötig, da weg zu kommen.

00:18:55: Ich würde auch sagen, was wir dann hier gemacht haben, ist etwas mehr als nur, wir brauchen ein neues Zuhause.

00:19:01: Wir haben dann schon gesagt, wenn wir es einmal in hundert Jahren machen, dann richtig.

00:19:06: Und haben uns vorgenommen, eben nicht einfach nur eine Fertigungshalle und einen angeschlossenen Büro-Riegel daraus zu machen, sondern auch ein bisschen Gedanken, nicht nur das zu stecken, was wir machen, sondern auch wie wir es machen.

00:19:19: Und im Überlicht, wofür steht diese Firma?

00:19:22: Was wollen wir?

00:19:24: nach außen transportieren?

00:19:26: aber auch was wollen wir kulturell zwischen den Mitarbeitern erreichen?

00:19:29: und da muss man sagen vor allem rückblickend hat das wirklich man hat es gemerkt direkt nach dem umzug allein diese neue hülle hat der firma ein ganz neues wesen gegeben.

00:19:40: wir haben eben sehr darauf geachtet dass alles transparent ist gleich kommunikativ gleich innovativ.

00:19:46: das ist bei dem was wir machen unheimlich wichtig.

00:19:49: Das, was wir hier herstellen, ist Hightech.

00:19:51: Das Gebäude verkörpert das irgendwie auch ein bisschen.

00:19:54: Das steht für Technik und Klarheit und Gratlinigkeit.

00:19:58: Aber natürlich auch ganz wichtiger Aspekt, das Nachhaltige.

00:20:03: Und deswegen, obwohl wir in dem Prozess viele Schwierigkeiten hatten.

00:20:09: und uns zwischendurch auch Lage legt, würde es uns doch leicht zu machen, weil hier vorne ja eine Gasleitung liegt, an die wir einfach andauern können, haben wir gesagt, nee, wir wollen

00:20:18: eine

00:20:19: große Geothermie-Anlage und eine große Photovoltaikanlage, um energetisch quasi ein bisschen fast autark sein zu können und auch sonst bei vielen Dingen eben den Fokus darauf zu legen, wie man es heute einfach wirklich richtig macht.

00:20:34: und nicht nur Funktionen, sondern auch ein bisschen Naja, zukunftsweisende Botschaften sendend.

00:20:42: Das sind ja die beiden Sachen, die du schon angesprochen hast, die man nicht sieht.

00:20:46: Die interessiert mich auf Anbieten, denn in eure Photovoltaikanlage, da musst du schon um drüber fliegen oder in der Drohne mal drüber sausen lassen und die Geothermie holt ihr ja nun aus ein paar Metern hier unter der Erde.

00:20:57: Das war auch nicht ganz leicht.

00:20:59: Also ich ... Im Ruhrgebiet Boren ist auch gar nicht so beliebt, habe ich dann festgestellt.

00:21:05: Also das kommt nicht überall gut an.

00:21:07: Da ist ja schon einiges drunter und auch unter diesem Grundstück liegen zwei Flöze.

00:21:13: Und wir haben in Summe knapp fünf Kilometer gebohrt, sind irgendwie, ähm, achtundvierzig Bohrungen gewesen, also jeder einzelne irgendwie so knapp hundertfünfzig Meter oder irgendwie sowas.

00:21:24: Ähm, und das war schon gar nicht so einfach unterzubekommen und da die Genehmigung zu bekommen und alle davon zu überzeugen, dass das eine gute Idee ist.

00:21:32: Aber wir waren äh, ziemlich penetrant und haben daran festgehalten und ich würde sagen, es hat sich gelohnt und war das Richtige.

00:21:40: Auch finanziell.

00:21:41: Wie sieht eure Energiebilanz bzw.

00:21:43: eure Strom- oder Gasrechnung heute aus?

00:21:47: Also in Summe erst mal vielleicht und dann spielt das Timing auch wieder ein bisschen mit.

00:21:51: Wir haben, wie gesagt, am alten Standort vor allem auch Gas gehabt, Geheizstrahler in der Fertigung.

00:21:59: Das war wirklich furchtbar.

00:22:01: Und das wäre vor allem, was mit den Energiepreisen in den letzten Jahren passiert, ist natürlich durch die Decke gegangen.

00:22:06: In Summe, selbst wenn das jetzt nicht so gekommen wäre, konnte ja auch keiner ahnen und hat sich ja nun auch ein bisschen stabilisiert.

00:22:13: Aber das wäre schon finanziell für die Firma.

00:22:16: gewesen, wenn dieser Umzug in diese deutlich effizientere Struktur später gewesen wäre nach dieser Energiekrise.

00:22:23: Wir haben während des Baus Weil wir sehr viel umplanen mussten und wir haben erst mal ein Jahr auf die Genehmigung für eine Probebohrung hier gewartet.

00:22:32: Aber jetzt, dass dann alles klar war, war auch klar, wir müssen das Bohrfeld noch mal verlegen und der Boden war härter als gedacht.

00:22:38: Und also es gab viele Dinge, die nicht so einfach waren und dadurch wurde die Sache schon mal in der Grundinvestition deutlich teurer als angedacht.

00:22:44: Ursprünglich war man gerechnet, dass sich das so wahrscheinlich mit unseren Verbräuchen nach fünf, sechs Jahren amortisiert.

00:22:50: Wir waren dann eher so bei neun bis zehn.

00:22:53: Und natürlich jeder Konzern sagen würde, das machen wir nicht, das ist einfach zu lang.

00:22:57: Das sind zu viele Quartalsergebnisse, wo die Leute dazwischen schon unzufrieden sind.

00:23:02: Das ist natürlich der Luxus, den ich als Geschäftsführer eine Gesellschafterin habe.

00:23:05: Wir können sowas eben durchstehen und für mich sind zehn Jahre ja auch nur ein Fünftel meines Arbeitslebens hier insofern.

00:23:15: Haben wir gesagt, nein, trotzdem halten wir daran fest und machen das.

00:23:19: Und in Summe, also wir haben heute einen deutlich geringeren Verbrauch bei deutlich mehr Komfort.

00:23:26: Also die Halle hier, das haben wir eben schon gehört, ist klimatisiert.

00:23:31: Was für uns nicht nur wichtig ist wegen des Mitarbeiterkomforts, sage ich jetzt mal, sondern schon auch wichtig ist für die Qualität.

00:23:40: Auch Stahl verändert irgendwie bei Umgebungstemperaturen irgendwann seine Eigenschaften.

00:23:43: Und wenn es zu heiß wird im Sommer, ist das schon unangenehm.

00:23:47: Aber also Für uns ein großer Sprung nach vorne, für die Mitarbeiter und für die Qualität.

00:23:53: Aber eben die Halle ist das ganze Jahr wieder geheizt oder gekühlt.

00:23:57: Wir tauschen die Luft dreimal die Stunde aus und filtern die, diese ganzen Kühlschmierstoffe und öligen Geschichten, die sonst bei so einer sparen Fertigung in der Luft sind, saugen wir ab, filtern das und führen dann unten wieder frische Luft zu.

00:24:11: Also ein enorm aufwendiges System.

00:24:14: wirklich großen Komfort bringt und trotzdem sind die Verbräuche eben in so einem deutlich geringer als vorher, wo wir sowas nicht hatten.

00:24:21: Also alles, was da so an Haustechniken zukam, was wir früher nicht hatten, macht den Alltag jedoch deutlich einfacher und das bei geringeren Kosten rechnet sich schon sehr gut.

00:24:32: Meine Frage an der Stelle, wie viel Anteil hat Charlotte Finger an dieser Veränderung?

00:24:38: Also, dass das so gekommen ist, dass dass diese Wichtigkeit auf Nachhaltigkeit und gleichzeitig aber auch das Ökonomisch Wertstiften bleibt oder ökonomisch sinnvoll ist.

00:24:48: Wie viel Anteil hat Charlotte Finger da dran?

00:24:50: Ich wollte gerade erst mal sagen, es ist ja gar nicht so, dass es nachteilig ist.

00:24:54: Also ich glaube, viele Leute verbinden das.

00:24:57: gar nicht so als Investition, die sich ja auch immer wieder irgendwann rechnet und lohnt, sondern erst mal als Last und denken, diese ganzen Nachhaltigkeitsthemen, das sind Auflagen, das müssen wir irgendwann machen und das kostet alles erst mal und ist teurer.

00:25:10: Ich glaube, wenn man das gut macht, geht das einher mit Wirtschaftlichkeit.

00:25:14: Wenn man das gut macht, geht das einher mit zukunftsorientierten und positiven Unternehmenskultur und vielen Aspekten, die eben wirklich klar positiv sind.

00:25:26: Deswegen, ich glaube, das ist das Wichtigste, das erst mal das zu verstehen.

00:25:30: Ich denke mal, das ist vielleicht auch ein Generationsding.

00:25:32: Das hat sich von mir natürlich vor zehn Jahren gar nicht so als Frage gestellt, wie vielleicht meinem Vater, der jetzt vierundachtzig ist, der wird da einfach in seinen Jahren, wo er davor in der Geschäftsführung war, anders drüber nachgedacht haben.

00:25:45: Es ist natürlich klar, es ist eine Zeitfrage.

00:25:49: Aber sicherlich brauch's einfach... immer eine Person, die da vorwegläuft, die sagt, wir machen das und es ist gut und wir kümmern uns darum und wir priorisieren das und das ist uns wichtig.

00:25:59: Von alleine passiert sowas nicht.

00:26:03: Aber bei solchen übergeordneten Themen und das ist ja auch was richtig strategisches, das hat was mit Kultur und Einstellung zu tun, das sind die Dinge, die müssen von oben gesteuert werden.

00:26:13: Das ist schwierig, wenn man darauf hofft, dass sowas von alleine, von unten.

00:26:18: aus dem Betrieb raus, irgendwie sich entwickelt und ja für ja besser wird.

00:26:22: Also ich glaube schon, da braucht es jemanden vorne, der das will, der das verkörpert, der das gut findet und irgendwie alle auch ermutigt in diese Idee.

00:26:31: Wir wollen nachhaltig sein, dann die kleinen Ideen reinzugeben, die es an jeder Stelle braucht, um das dann irgendwie auch umzusetzen.

00:26:40: Jetzt wäre es das Einfachste, dass wir Schaldertefinger einfach mal klonen, hundertfach in andere mittelständische Unternehmen der Region verpflanzen und sie dort ihr Wesen, ich sage bewusst nicht unwesen, sondern ihr Wesen dort ebenfalls dann verbreitet und diese Gedanken sich dort verteilen.

00:27:02: Das ist ja der Sinn unseres Podcasts unter anderem auch, weil wir das Gefühl haben, die Region ... hat es vielleicht schon verstanden, aber sie hat vielleicht noch ein Umsetzungsproblem, ein Realisierungsproblem.

00:27:14: Das glaubst du, wenn du auch vielleicht mit anderen Kolleginnen und Kollegen, die in Führungsposition sind, sprichst, was ist die Bremse?

00:27:23: Wo sind die Bremse?

00:27:24: Ich meine, ihr habt mit Bremsen ja zu tun, mit Bremsen zu tun.

00:27:28: Aber ich klingelte natürlich an die gedanklichen Bremsen und Hürden und Hemmungen, das nicht schon mehr unternehmen.

00:27:34: Auch mit der Geschichte, die ihr habt, mit dieser Ruhrgebietsgeschichte.

00:27:37: Auch diesen Swing schon geschafft haben.

00:27:40: Es ist nichts, was sich über Nacht umsetzen lässt.

00:27:43: Es ist nichts, was ich schnipse und sagen morgens früh ist es da.

00:27:47: Ich kann eine Werkzeugmaschine kaufen, die steht da irgendwann.

00:27:50: Dann macht die am nächsten Tag Späne.

00:27:52: Und ich kann Leute einstellen.

00:27:56: Das sind kurzfristige Maßnahmen für so was.

00:27:59: Bedarf ist Zeit.

00:28:00: Und das sind dann immer die Dinge, die einfach aufgeschoben werden.

00:28:03: Weil genug Probleme und Krisen.

00:28:05: Und nehmen wir mal die letzten fünf Jahre.

00:28:07: Wir sind davon Corona in einen Lieferengpass, in eine Energiekrise, in einen Nachfragitiv und haben jetzt einen internationalen Handelskrieg neben Kriegen.

00:28:19: Also ich glaube, es ist eben auch, es scheint dann immer so, ja, da kümmert man sich später drum.

00:28:24: Und das muss ja jetzt nicht sein.

00:28:25: Das bringt uns morgen früh nichts.

00:28:27: Dann kümmern wir uns erst mal um diese tausend kleinen operativen Dinge.

00:28:30: Ich glaube, das hält die Leute häufig davon ab.

00:28:32: Es scheint so ein dickes Brett durch das man bohren muss und eigentlich ist es das gar nicht.

00:28:37: Ich glaube, wenn man einmal irgendwie so festlegt, wir wollen uns da diesem Thema mehr widmen und das dann einfach in Scheibchen schneidet und jeden Tag ein bisschen macht.

00:28:47: kommt man schnell vorwärts und merkt, die Dinge ändern sich.

00:28:50: Aber man muss das einmal damit anfangen.

00:28:51: Und ich glaube, für viele wirkt das wie so eine große, düstere Wolke, die irgendwann kommt, aber nicht wie irgendwas, wo ich auch kurzfristig ... Quick wins habe und vorwärtskomme und ein gutes Gefühl auch erzeuge und Euphorie irgendwie im Betrieb für Kriege.

00:29:10: Es wird sehr häufig verbunden mit Auflagen und negativen Dingen und so nach einer großen Geschichte, obwohl es bei vielen kleinen Sachen so einfach ist, damit mal anzufangen.

00:29:19: Ich finde, Anfang ist ein ganz super Stichwort.

00:29:22: Was würdest du kleinen und mittelständischen Unternehmen empfehlen?

00:29:26: Also wo kann man konkret vielleicht auch schon anfangen?

00:29:29: Was lässt sich leicht realisieren, wo ihr gemerkt habt, oh, das hat ja einen großen Unterschied gemacht oder Erfolg gebracht, aber war jetzt gar nicht so aufwendig.

00:29:39: Also ich glaube, so eine der ersten Sachen, die wir gemacht haben, war zu sagen, wir wollen plastiklos verpacken.

00:29:47: Das war wirklich nicht so schwierig.

00:29:49: Da gibt's Tausend Optionen, Firmen, die einem auch helfen, sobald man mal irgendeinen neuen Lieferanten anruft und fragt, habt ihr da auch irgendwas anderes, was plastiklos ist?

00:29:58: Kommen die auch gerne und beraten und empfehlen?

00:30:00: Also da muss man ja gar nicht das Rad neu erfinden.

00:30:03: Und das war sofort sichtbar, weil damit natürlich auch alle Leute im Unternehmen in Berührung sind und gemerkt haben, okay, das ist vielleicht ganz gut.

00:30:10: Und oh, das könnt ihr mir mal Gedanken machen, was mache ich da zu Hause eigentlich mit meinem Müll und all diesen Dingen?

00:30:14: Also das hat direkt sowas auch angestoßen.

00:30:17: Wir haben dann auch gesagt, wir machen einfach jährlich so ein Ideenwettbewerb, so eine Art etwas modernes Verbesserungsvorschlagswesen vielleicht, was sich immer ein bisschen bürokratisch angehört hat.

00:30:26: Die Leute wissen ja in ihren Abteilungen am meisten gut, die Verschwendung ist und wo irgendwie Dinge nicht so gut laufen oder wo man sich so ein bisschen drüber ärgert, dass sie das einfach auch selbst dann vorschlagen können.

00:30:37: Aber dadurch haben wir so von oben signalisiert, das ist gewollt.

00:30:40: Dann kamen aus den Abteilungen viele Ideen.

00:30:45: Dann ist es natürlich einfach wichtig, an verschiedenen Stellen so kleine Pilotprojekte zu schaffen, von denen man dann auch mal berichtet bei einer Mitarbeiterversammlung oder so.

00:30:56: Und das hat dann eben ... Das Thema mit der M-Eins, die wir gerade unten zumindest in Einzelteilen gesehen haben, hat dazu geführt, dass wir dann generell überlegt haben, was ist denn mit dem Produkt und der Nachhaltigkeit und müssen wir uns über Recycling-Gedanken machen?

00:31:11: oder was gibt es dann noch für Aspekte, wo kann man irgendwie noch nachhaltiger agieren?

00:31:17: Wir haben dann natürlich bei der Fertigung irgendwie auch geguckt, was sind hier so die Hebel?

00:31:24: Ich weiß es nicht.

00:31:25: Der Einkauf hat natürlich einen großen Hebel über Local Sourcing.

00:31:29: Wo kommen die Sachen her?

00:31:30: Wie werden sie transportiert?

00:31:34: Wir sind jetzt gerade dabei zu sagen kurz davor.

00:31:39: eben haben wir noch auf Fertigungspapiere gucken müssen, um zu sehen, in welches Produkt diese Einzelteile, die da lagen, reingehen.

00:31:47: In zwei, drei Monaten, wenn ihr dann erst gekommen seid, hätten wir das auf einem Screen uns angucken können, weil wir jetzt wirklich den entscheidenden Schritt Richtung papierlose Fertigung gegangen sind.

00:31:55: Das sind ja alles Dinge.

00:31:58: Die kann man einfach nur als Effizienzgewinn intern verkaufen oder eben auch betonen, dass das irgendwie auch Nachhaltigkeitsaspekte verfolgt.

00:32:05: Und ich habe so das Gefühl, je häufiger man drüber spricht, umso mehr sichert das durch und umso bewusster wird es bei den Leuten und dann kommen ganz viele Themen auch von alleine von innen raus.

00:32:14: Aber es muss eben einmal mit irgendwas kleinem Sichtbaren gestartet werden und betont werden eben von oben.

00:32:19: Das ist uns wichtig, wir kümmern uns darum.

00:32:23: Ich glaube, da gibt es viele Sachen.

00:32:24: Wir haben Bewegungsmelder zum Beispiel in den Bereichen, die selten nicht immer so lange frequentiert werden, wo die Leute durchlaufen in den Fluren oder so.

00:32:34: Das verhindert natürlich auch, dass da abends mal ein Licht anbleibt oder so, wo die Leute dann wieder sehen, auch ja interessiert hier keinen.

00:32:41: Es geht einfach von alleine aus und die Leute gehen und merken es dunkel, wenn ich gehe, Gebäude ist leer.

00:32:48: Das sind so diese kleinen unterbewussten Dinge, die irgendwie am Ende, glaube ich, schon wenn es genug sind, den Stein aushöhlen.

00:32:55: Und das müssen wir ja irgendwie hinkriegen.

00:32:56: Alle gemeinschaftlich, gesellschaftlich.

00:32:59: Und eben nicht ... Ein Einzelner wird das alles nicht voranbringen.

00:33:03: Und nur Deutschland alleine wahrscheinlich auch nicht.

00:33:06: Aber wenn wir als Weltbevölkerung bei diesem Problem vorwärtskommen wollen, muss da jeder seinen Teil zu beitragen.

00:33:13: Und ich glaub, diese Bewusstseinsveränderung ... Jeden Tag ein kleines bisschen kann man durch solche Dinge vielleicht vom ... bei der Arbeit machen wir das so, also übertrage ich es auch auf mein privates immer mehr vorantreiben.

00:33:27: Ja, ich würde auch fast sagen, wir kommen jetzt schon Richtung Ende der Folge.

00:33:32: Oh nein!

00:33:33: Es

00:33:33: gibt auch so viel zu erzählen.

00:33:35: Es tut mir wirklich leid, ich habe das Gefühl, wir bremsen das hier gerade aus, es macht so Spaß darüber zu sprechen und ich merke, es sind so viele Impulse dabei.

00:33:42: Und wenn man das jetzt aber komprimieren will, vielleicht auf ein Impuls, den du uns und den Zuhörern mitgeben möchtest, Schaffst du das?

00:33:51: Vielleicht hast du auch so eine Essenz, die wir gerne der Region Westfalen teilen können.

00:33:57: Also ich glaube, ist natürlich schwierig, schwierige Aufgabenstellung.

00:34:04: Also vielleicht, bevor er das gleich abgedreht wird, sage ich direkt als erstes vorweg, jeder, der hier gerne mal vorbeikommen möchte, ist herzlich eingeladen.

00:34:12: Jeder, der mal gucken möchte, weil er jetzt vielleicht irgendwie... paar Geschichten gehört hat, wo er denkt, das passt auch zu meinem Betrieb oder es hört sich spannend an, was die da machen, kann sich immer gerne melden und mal vorbeikommen und gucken, was wir hier machen und vor allem, wie wir es hier machen.

00:34:26: Das ist ja für dieses Thema vielleicht das Wichtigere.

00:34:30: Ich denke mal, alle die hier zuhören, sind ja wahrscheinlich schon halbwegs auf dem richtigen Trip, sonst wäre das Interesse nicht da, dieses Format anzuschalten.

00:34:40: Aber ich glaube, wichtig ist, dass wir wie heute drüber sprechen.

00:34:46: Und dass wir das ausrollen und dass wir merken, das ist eine ganz natürliche Sache, die nicht kostet und on top kommt und lästig ist und nur mit Berichtspflichten einhergeht.

00:34:56: Sondern dass es ganz einfach und auch mühelos ist, da das Richtige zu tun und zukunftsgerichtet zu sein.

00:35:04: Und dass es die Mitarbeiter am Ende auch wirklich würdigen, wenn so ein Unternehmen mit gutem Beispiel vorangeht und eben nicht nur für Wirtschaftlichkeit und Profite steht, sondern irgendwie auch noch einen anderen Purpose verfolgt, der eben allen zugute kommt und nicht nur dem eigenen Konto.

00:35:21: Ich glaube, das ist so ein Learning, was wir in den letzten Jahren auf jeden Fall hatten und dass wir immer mehr Bewerber haben, die danach fragen oder die sagen, ich habe das bei euch auf der Internetseite gesehen, ihr habt da so eine Initiative Going Green.

00:35:37: Ich finde das ganz toll, bei so einer Firma will ich arbeiten.

00:35:39: Ich glaube, wenn das Verständnis bei allen Unternehmen da ist, was das auch zurückgibt, Dann mache ich mir hier keine großen Sorgen ums Rückgebiet.

00:35:49: Super.

00:35:50: Vielen Dank.

00:35:50: Starke Statement.

00:35:52: Ja,

00:35:52: kann man nur sagen.

00:35:53: Danke schön, Charlotte, für deine Motivation, für deinen Engagement und ja, auf die nächsten fast hundertzehn Jahre Maschinenbau.

00:36:01: Mönninghoff.

00:36:02: Hoffen wir es mal.

00:36:03: War schön, dass ihr da wart.

00:36:05: Das war Fünf vor Grün.

00:36:06: Vielen Dank fürs Zuhören.

00:36:08: Wenn du Interesse an dem Thema hast und ein Teil davon werden möchtest, dann melde dich gerne bei uns über LinkedIn oder auf regionwestfalen.de.

00:36:15: Dieser Podcast wird präsentiert von Indie-Region Westfalen.

00:36:19: Das ist ein Kooperationsprojekt der Wirtschaftsförderungen aus den Regionen Hagen, Hamm, Bochum, Dortmund und dem Kreis Unha und wird realisiert durch Förderung des europäischen Fonds FRNW und dem Land NRW.

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.